Eine Mutter sitzt mit ihrem Sohn auf dem Sofa. Der Vater des Kindes steht davor und überreicht der Mutter Geldscheine.

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Kindesunterhalt: Düsseldorfer Tabelle und mehr?!

18.07.2022

Trennen sich Eltern voneinander und wird ein Elternteil in Folge dessen alleinerziehend, so stellt sich neben vielen anderen Fragen auch die Frage des Unterhalts.

Glücklicherweise zahlt der andere Elternteil meist lieber Unterhalt für ein Kind als für den Ex-Partner, jedoch gibt es auch hier Streitpunkte, die immer wieder auch die Gerichte beschäftigen. Vor allem aber ist es für den oder die Alleinerziehende wichtig zu wissen, welche Kindesunterhaltsansprüche man überhaupt hat.

Der Kindesunterhalt berechnet sich grundsätzlich nach dem Einkommen des Elternteils, bei dem das Kind nicht lebt. Zugrunde zu legen ist das sogenannte bereinigte Nettoeinkommen, wobei im Rahmen des Kindesunterhalts nur wirklich notwendige Belastungen abgezogen werden können.

Kennt man dieses monatliche bereinigte Nettoeinkommen, so kann man aus der sogenannten Düsseldorfer Tabelle für das jeweilige Alter des Kindes den geschuldeten Betrag entnehmen, wobei noch das Kindergeld anteilig zu berücksichtigen ist. Dies ist soweit in der Regel unproblematisch.

Mehrbedarf und Sonderbedarf
Wesentlich schwieriger ist die Frage, welche Kosten zusätzlich zu dem sogenannten Tabellenbetrag verlangt werden können. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Mehrbedarf und Sonderbedarf.

Ein Mehrbedarf ist ein während eines längeren Zeitraums regelmäßig anfallender Bedarf, der die üblichen Kosten übersteigt und deshalb in den Regelsätzen der Düsseldorfer Tabelle nicht erfasst ist. Hierunter können fallen beispielsweise Krankenversicherungsbeiträge, Nachhilfeunterricht, Schulkosten (ggf. Privatschule), krankheitsbedingte Mehrkosten zum Beispiel wegen Behinderung des Kindes o.ä. Hierunter fallen auch Studiengebühren und ggf. Kosten für den Kindergarten.

Ein Sonderbedarf ist hingegen ein unregelmäßig auftretender außergewöhnlich hoher Bedarf, der nicht auf Dauer besteht und nicht vorhersehbar war, sodass hierfür keine Rücklagen gebildet werden konnten. Darunter können beispielsweise unvorhergesehene Krankheitskosten, Kosten einer kieferorthopädischen Behandlung o.ä. fallen.

In beiden Fällen ist aber stets im Einzelfall zu prüfen, ob zum einen ein Sonder- oder Mehrbedarf überhaupt vorliegt und ob und wie dieser ggf. zusätzlich zum Tabellenbetrag zu zahlen ist. In der Regel trägt die Kosten des Sonder- oder Mehrbedarfs nicht der unterhaltspflichtige Elternteil alleine, sondern beide Eltern anteilig nach ihren Einkommensverhältnissen.

Ein klassischer Streitfall ist nach wie vor die Frage, wer die Kosten für eine Klassenfahrt übernehmen muss. Hier gehen die meisten Gerichte davon aus, dass derartige Kosten vorhersehbar sind und daher gerade keinen Sonderbedarf und auch keinen Mehrbedarf darstellen. Es müssen also für derartige Fahrten in der Regel Rücklagen aus den Tabellenbeträgen gebildet werden. Oft werden derartige Kosten aber im Interesse der Kinder einvernehmlich zwischen den Eltern geteilt.

Im Ergebnis kann aber festgehalten werden, dass man sich als betreuender (alleinerziehender) Elternteil nicht einfach mit dem Unterhaltsbetrag aus der Düsseldorfer Tabelle zufrieden geben muss, sondern prüfen lassen sollte, ob ein höherer Bedarf geltend gemacht werden kann.

Hier sollte man sich bei Bedarf vom Jugendamt oder von einem Fachanwalt für Familienrecht beraten lassen.

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Volker Schwarz

Autor:
Volker Schwarz ist Rechtsanwalt und Notar und Fachanwalt für Familienrecht.
https://www.boehmer-rechtsanwaelte.de

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