Ein Mädchen sitzt mit den Händen vor Augen auf dem Boden an einer Wand, neben ihr sitzt ihr Teddybär. Man sieht als Schatten auf der Wand die streitenden Eltern. Der Vater hat eine Flasche in der Hand.
Wie erkläre ich meinem Kind das Thema „Sucht“?

24.11.2021

„Warum bist du so komisch?“ Als ich vor 17 Jahren meinen Mann kennenlernte, dachte ich nicht im Traum daran, dass ich irgendwann einmal bei meinem Kind in große Erklärungsnot kommen würde.

Als unsere Tochter etwa 6 Jahre alt war, fragte sie mich irgendwann dann doch, warum Papa manchmal so komisch ist oder warum er öfter nicht nach Hause kam. Und ich stand dann da und musste mir immer eine Notlüge einfallen lassen. Ich wollte sie damit nun mal nicht belasten. Heute weiß ich, dass mir einfach das Wissen gefehlt hat, wie ich die richtigen Worte dafür finde.

Nicht tabuisieren
Stimmungsschwankungen, Ängste und das Tabuisieren der Sucht führen dazu, dass die Kinder feinfühlige Antennen erhalten und jede Veränderung sofort aufsaugen, was psychisch wie physisch schwere Folgen mit sich führen kann. Deshalb sollte man das Thema Sucht nicht als Tabuthema sehen und mit dem Kind offen aber feinfühlig, bei passender Gelegenheit, sprechen.

Tipps für ein Eltern-Kind-Gespräch
• Gute Vorbereitung ist das A und O
• Auf verschiedenste Fragen vorbereitet sein; Kinder sind neugierig!
• Aus der Sucht kein Geheimnis machen, das
belastet Kinder sehr!
• Öfter Zeit nehmen, um mit dem Kind über das Thema zu sprechen. Es werden immer wieder Fragen aufkommen.
• Ermutige dein Kind, dir Fragen zu stellen
• Sucht ist eine Krankheit – hier kann man zum Beispiel gut Vergleiche mit Handy, Computer oder Fernsehen finden
• Dem Kind aufzeigen, dass es nicht Schuld an der Familiensituation ist. Schuldgefühle bei Kindern sind in suchtbelasteten Familien ein riesiges Thema

Hilfe einholen
Etwa 4,2 Millionen Kinder unter 18 Jahren haben mindestens einen Elternteil mit regelmäßigem Rauschtrinken. Hier sind andere Süchte, wie beispielsweise Drogen oder Spielsucht noch nicht mit aufgeführt.

Deutschlandweit gibt es etwa 1400 Beratungsstellen sowie private Stellen, die sich diesem Thema angenommen haben. Hier kannst du dir als Angehöriger oder Betroffener aus einer suchtbelasteten Familie professionelle Hilfe suchen. Scheue dich bitte nicht, diesen Schritt zu gehen. Sie hören einem zu, haben Verständnis für die ganz persönliche Situationen und bieten Hilfe und Unterstützung an, wie du zum Beispiel mit deinem Kind darüber reden kannst.

Denn am Ende zählt nur, dass du und dein Kind ein ehrliches und liebevolles Miteinander führen könnt.

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Tanja Schwarz

Autorin:
Tanja Schwarz, zertifizierter Familiencoach aus Freigericht, Schwerpunkt kleine und große Angehörige aus suchtbelasteten Familien, selbst Mutter aus einer suchtbelasteten Familie
www.lebensraum-online.com

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