Junge liest Buch

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Wenn Sehschärfe nicht das Problem ist

28.05.2021

Tobi hat „Adleraugen“ – zumindest bestätigen das regelmäßige Routineuntersuchungen seiner Augen. Trotzdem hat er Probleme beim Lesen und Schreiben.

Er rät oft beim Lesen, lässt Wörter aus, liest sehr langsam und hat Probleme beim Textverständnis. Bei den Hausaufgaben hat er oft Kopf- und Bauchschmerzen. Seine Eltern ahnen, dass seine schulischen Probleme doch etwas mit seinen Augen zu tun haben könnten. Oder hat er einfach keine Lust zu lernen?

Der wahre Grund für Tobis Probleme sind Funktionsstörungen des visuellen Systems.Die normalen Routineuntersuchungen bestätigen ihm hundertprozentige Sehschärfe, visuelle Funktions- und Wahrnehmungsstörungen jedoch bleiben unerkannt. Ursachen sind häufig Störungen der kindlichen Entwicklung zum Beispiel durch Krankheit während einer wichtigen Entwicklungsphase, Entwicklungsverzögerungen (Motorik, Sprache, Gehör), permanenter Sehstress durch übermäßige Nutzung digitaler Geräte. Daraus resultiert häufig eine visuelle Wahrnehmungsstörung.

Viele Schulkinder entwickeln daraus Lern- und Konzentrationsprobleme, weil ihnen aufgrund visueller Defizite das Lesen als wichtige Voraussetzung zum Lernen schwerfällt. Das ist für den ganzen Organismus sehr anstrengend und energieaufwändig.

Hundertprozentige Sehschärfe ist eben nicht alles
Eine ausführliche Analyse der funktionellen und visuellen Fähigkeiten durch einen Funktional-Optometristen gibt Aufschluss über die Qualität wichtiger Funktionen wie Figur/Grund-Fähigkeit (Erkennen eines Objektes vor einem Hintergrund), Fixation, Augenfolgebewegungen, Qualität des Zusammenspiels beider Augen und daraus resultierende räumliche Wahrnehmung. Neben Tests auf vorhandene Fehlsichtigkeiten prüft er die Flexibilität von Vergenz (Ein- und Auswärtsdrehen beider Augen) und Akkommodation (die Naheinstellung der Augenlinse).

Die gute Nachricht ist, dass visuelle Grundfunktionen durch Visualtraining erlernt und verbessert werden können, denn Sehen ist eine erlernte Hirnfunktion. Eine Kombination mit Brille ist oft sinnvoll.
Anhand der Auswertung der Messergebnisse ermittelt der Funktionaloptometrist die optimale Brillenkorrektion und erstellt einen individuellen Trainingsplan für etwa drei bis sechs Monate. Wichtiger Bestandteil ist die tägliche Durchführung 15- bis 20-minütiger Übungen zu Hause. Im Zwei-Wochen-Rhythmus kontrolliert der Funktionaloptometrist den Trainingserfolg; die Heimübungen werden entsprechend verändert und angepasst.

Ziel des Visualtrainings ist die Verbesserung von funktionellen, visuellen Fähigkeiten, damit Lesen und Lernen leichter fällt und Schule wieder Spaß macht.
Spätestens wenn Kinder in der Grundschule Lernprobleme entwickeln, ist eine genaue Analyse durch einen Funktionaloptometristen zusätzlich zur augenärztlichen Untersuchung unverzichtbar.

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Simone Muth

Autorin:
Simone Muth ist Augenoptikermeisterin und Spezialistin für Kinder- und Funktionaloptometrie
https://www.meyeroptik.de/bruchkoebel/

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