Man sieht Kinderhände die Äste für ein Feuer stapeln

© Pur-Na-Tur

Selbstvertrauen in der Natur schöpfen

01.06.2023

Die Sonne scheint oder es regnet? Raus mit euch in die Natur!

An dem Spruch „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung!“ ist wohl etwas dran. Man kann bei (fast) jedem Wetter Spaß haben. Einfache Regel: „Am Ende des Tages sollen deine Füße dreckig, deine Haare zerzaust und deine Augen leuchtend sein!“

Die Natur ist bei jedem Wetter spannend und erkundenswert. Lassen wir uns darauf ein.

In unserer heutigen schnelllebigen Zeit, in der wir alle immer höheren Anforderungen ausgesetzt sind, Termine über Terminen stehen, man manchmal nicht mehr weiß, wie man all den Erwartungen noch gerecht werden soll , weisen bei uns Erwachsenen „Burnout“ und chronische Krankheiten darauf hin, dass hier etwas falsch läuft. Und auch schon unsere Kinder sind diesem Stress ausgesetzt.

Termine über Termine – schon bei unseren Kleinsten: Das „Freizeit“-Angebot ist groß und wird gerne in Anspruch genommen. Dabei meinen wir es doch gut mit unseren Kindern. Wir wollen ihnen viel bieten. So sind auch unsere Kinder immer häufiger „positivem Stress“ ausgesetzt, werden vom Fußball zum Tennis oder Tanzen gefahren und Treffen mit Freunden müssen rechtzeitig terminiert werden.

Jede Zeitlücke wird gefüllt mit Aktivität.
So haben unsere Kinder immer weniger die Möglichkeit, in die Ruhe zu kommen, ihren Gedanken einmal freien Lauf zu lassen, selbst kreativ zu werden. Denn erst in der Ruhe kann Kreativität entstehen. Ruhe – dies ist wertvolle Zeit, um in sich hinein zu spüren, um für sich herauszufinden, was einem wirklich am Herzen liegt, was man gerne tut – fernab von den uns vorgegebenen Möglichkeiten.

Was können wir tun?
Die Natur lebt es uns vor – sie zeigt uns mit ihren natürlichen Rhythmen, wie den unterschiedlichen Jahreszeiten, den Gezeiten, dem Tag- und Nachtrhythmus, dass alles in der Natur Rhythmen unterliegt. Dass es neben der Aktivität auch immer die Ruhephase gibt. Wir Menschen – die wir Teil der Natur sind – haben das aber oft vergessen… lassen wir uns einfach einmal darauf ein…

Nehmen wir uns gemeinsam Zeit, in die Natur zu gehen. Schon eine kurze Auszeit im Garten, im Park, auf einer Wiese, im Wald – mit der Natur, hilft uns, tief durchzuatmen – uns zu entspannen, quasi den „Reset-Knopf“ zu drücken.

Es gibt zahlreiche Studien die belegen, dass eine Auszeit in der Natur messbare Auswirkungen auf das vegetative Nervensystem, das Hormonsystem und das Immunsystem hat. Stress und Anspannung fallen schon nach kurzer Zeit ab, und Körper, Seele und Geist finden zu ihrem ursprünglichen Gleichgewicht zurück. So hat zum Beispiel „Waldbaden“ (Shirin Yoku) einen regelrechten „Run“ erfahren, hervorgerufen durch den japanischen Medizinprofessor Dr. Qing Li. Aber auch in Europa machen Fachleute auf die positive Auswirkung der Natur auf den Menschen aufmerksam.

„In die Natur gehen“ bedeutet allerdings nicht zwangsläufig „langweilig spazieren zu gehen“. Es kann ruhig oder auch mit mehr Aktion verbunden sein. Wichtig ist, dass man wieder beginnt, auf seine innere Stimme zu hören und zu schauen, was einem im jeweiligen Moment gut tut. Kinder können das sehr gut. So gibt es viele Möglichkeiten, die Zeit in der Natur mit viel Freude und Leichtigkeit zu gestalten oder „einfach zu sein“.

Ich rate dazu, regelmäßige „AusZeit-Termine“ in der Natur gemeinsam mit den Kindern einzuplanen. Es ist erstaunlich: Kinder sind wie ausgewechselt, wenn sie sich in der freien Natur aufhalten. Ihre Kreativität wird geweckt, viele neue Ideen finden hier ihren Anfang. Und wenn man sie lässt und bestärkt, wächst das Selbstvertrauen von alleine!

Hier einige Ideen für den Start:

• Ausflug mit Familienpicknick im Garten, im Park oder auf einer Wiese. Kinder nach ihrer Idee für     
   Lieblingsspiele (Ball, Brettspiel oder ähnliches) fragen… Außer Handy ist alles erlaubt!

• Einen schönen Platz in der Natur finden (z.B. an einen Baum setzen oder auf eine Wiese legen) und   
   die Umgebung mit allen Sinnen wahrnehmen:
o Was kann ich sehen – in der Ferne und aber auch direkt an meinem Sitzplatz?
o Was höre ich? (Vogel, Flugzeug, Kinderlachen, Wasserfall, Hummel, …)
o Was rieche ich? (Moos, Blumen, …)
o Was fühle ich? (Windhauch auf meiner Haut, …)

• Outdoor-Feeling: Lagerfeuer mit Punsch, Stockbrot und Lieblingsgeschichte (jeder darf seine
   spannendste oder lustigste Geschichte zum Besten geben… ) Hinweis: Lagerfeuer ist auf
   ausgewiesenen Plätzen zum Teil sogar mit Übernachtung möglich (bei Gemeinden oder beispielsweise
   www.trekkingspessart.de anfragen)

• „Was wächst denn da?“ – Kinder sind kleine Entdecker und werden auf gemeinsamen Spaziergängen
   gerne auf die Suche nach „Baby-Bäumen“, Kräuter, kleine Schätze wie zum Beispiel Stöcke oder Steine
   gehen.

• Gemeinsam einen „Waldwichtel“ bauen: freien Baumstumpf mit Moos, Blättern, Zapfen, Früchten zu
   einem Wichtel gestalten (siehe Bild)

• „Zapfendomino“: Unterschiedliche Zapfen von Nadelbäumen sammeln. Wie viele unterschiedliche
   Zapfen findet ihr? Könnt ihr daraus ein Dominospiel gestalten? Und welche Spiele fallen euch sonst
   noch dazu ein?

• Turmbau-Challenge: Wer baut den höchsten/breitesten/schönsten/kreativsten… Turm aus
   herumliegenden Ästen? (siehe Bild)

• „Natur-Mandala“: Naturmaterial sammeln (Äste, Zweige, Blätter, Zapfen, Blüten, oder anderes) und
   daraus ein schönes Mandala gestalten, welches auch als Dankeschön für die tolle gemeinsame Zeit im
   Wald zurückgelassen werden darf.

• Brennnessel-Mutprobe: Wer traut es sich, die Brennnesseln mit der Hand zu pflücken? (Tipp:
   beherztes Zupacken bricht die Brennhaare ab und die Brennnessel brennt nicht, ansonsten gerne
   Handschuhe nutzen)
Tipp: anschließend zu Hause Brennnesselchips herstellen.

Rezept Brennnesselchips:
2 bis 3 Handvoll Brennnesselblätter sammeln (die oberen unbeschädigten und sauberen Spitzen der Brennnessel. Die Blätter können auch mit Handschuhen gesammelt werden und/oder zu Hause mit Nudelholz überrollen, damit sie weniger brennen).

Boden einer Pfanne mit Öl bedecken. Wenn das Öl heiß ist, die Brennnesselblätter einzeln in die Pfanne geben, so lange darin „frittieren“, bis es nicht mehr zischt – bis also das Wasser entwichen ist. Anschließend auf ein Küchenpapier geben, welches das Fett etwas aufsaugt. Mit Kräutersalz würzen. Fertig. Lasst es euch schmecken!

Habt viel Spaß beim Ausprobieren!

Und denkt daran: „Man ist nie zu alt, um wild durch den Laubhaufen zu rennen.“

Ein Hinweis zum Schluss: Bitte geht achtsam mit der Natur um: Müll wieder mitnehmen, Pflanzen nicht mutwillig beschädigen, Feuer machen nur an ausgewiesenen Stellen und so weiter!

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Pervin Pelit-Saran

Autorin:
Alexandra Fritzsche ist zertifizierte Naturpädagogin aus Seligenstadt.
www.pur-na-tur.de

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